Draussen schlafen bei -25 Grad Celsius – wie geht das denn?

Es ist ein kleines Abenteuer und kostet vielleicht etwas √úberwindung, wenn Ihr zum ersten Mal bei tiefen Temperaturen draussen im Zelt schlafen m√∂chtet. Aber Ihr werdet es sicher nicht bereuen. Wer ein Zelt benutzt, erreicht Regionen, die die meisten Menschen nicht zu Gesicht bekommen. Ihr seid unabh√§ngig und nah an der Natur. Wichtig ist eine gute Vorbereitung und die richtige Ausr√ľstung. Hier ein paar praktische Tipps:

Ohne warme Kleidung geht nichts

Die Vorbereitung beginnt bereits zu Hause. Packt warme Ersatzunterwäsche und Wärmejacke/Hose ein. Orientiert Euch dabei an den zu erwartenden Temperaturen.

Das Wichtigste ist, dass der K√∂rper nicht ausk√ľhlt. Daher solltet Ihr nachdem Ihr Euer Zelt aufgestellt habt, die nasse, verschwitzte Kleidung aus- und ein trockenes (Woll)Shirt anziehen. Das nasse Shirt dar√ľber, damit es im Laufe des Abends am K√∂rper trocknen kann. Feuchte Str√ľmpfe werden ebenfalls ausgetauscht.

Mit einer warmen Jacke (und Hose) seid Ihr f√ľr den Abend, bis es in den warmen Schlafsack geht, gut ger√ľstet.

Dass man in den Schuhen schwitzt, kennen alle. Wenn man draussen in der K√§lte √ľbernachtet, sollte der Schuh m√∂glichst nicht feucht werden, da er sonst am n√§chsten Morgen gefroren ist. Unser Tipp ist: eine d√ľnne Socke anziehen, dar√ľber eine VBL-Socke und als √§usserste Schicht eine warme Socke. VBL=Vapour Barrier Liner ist eine Barriere, die verhindert, dass die Feuchtigkeit in den Schuh gelangt. Wenn Ihr keine VBL-Socken habt, dann k√∂nnt Ihr auch eine feste Plastikt√ľte nehmen, die erf√ľllt den gleichen Zweck.

Der Lagerplatz

Sucht Euch f√ľr Euer Nachtlager einen windgesch√ľtzten Platz. Nachts wird es kalt und wenn Ihr im Wind steht, kann es schnell ungem√ľtlich werden. Ein Schneewall, um das Zelt angeh√§uft, bietet zus√§tzlichen Schutz. Wenn Ihr nicht im Zelt kochen wollt, dann mu√ü auch der Platz f√ľr den Kocher windgesch√ľtzt sein.Ein paar praktische Hinweise, um den Benzinkocher zelttauglich zu machen, findet Ihr im Blogbeitrag¬†‚ÄěKochen im Zelt‚Äú.

Wer in den Bergen Lapplands auf ein wärmendes Lagerfeuer hofft, der wird ganz sicher enttäuscht werden. Es gibt kein Holz im Hochfjäll und weiter unten in der Waldregion wird es bei 2 m Schneehöhe so gut wie unmöglich sein, trockenes Holz zu finden.

Schlafsack und Liegematte ‚Äď die richtige Wahl

Beim Schlafsack stellt sich immer wieder die Frage, was besser ist: Daunen oder Kunstfaser. Daune ist bei gleicher W√§rmeleistung¬†viel leichter und kleiner verpackbar als Synthetik. Sie w√§rmt allerdings nur, wenn sie trocken ist. Hier kommt wieder ein VBL zum Einsatz, Vapour Barrier Bag. Den benutzt man wie ein Inlett und verhindert so, da√ü die Feuchtigkeit, die der K√∂rper √ľber Nacht abgibt, in die Daunenf√ľllung eindringt.

Bei einer längeren Wintertour kann ein Synthetik-Schlafsack besser sein. Dem kann die Feuchtigkeit nichts anhaben. Aber gute Synthetik-Schlafsäcke haben ein grosses Packmass und sind relativ schwer.

Der beste Schlafsack allein n√ľtzt nicht viel, K√§lte kommt auch von unten.

Eine gut isolierende Matte mit einem Isolationswert von mindestens 5 (R-Wert) ist unerlässlich. Wenn Ihr aufblasbare Matten verwendet, solltet Ihr unbedingt eine Ersatzmatte (Schaumstoff) mitnehmen.


Die richtige Bekleidung im Schlafsack

Zieht nur so viel an wie nötig und orientiert Euch an der Wärmeleistung Eures Schlafsacks.

Da bew√§hrt sich wieder das Zwiebelprinzip. Ohne (Woll)Unterw√§sche und dicke (Woll)Socken wird es meist nicht gehen. Eventuell m√ľsst Ihr noch etwas W√§rmendes dar√ľber ziehen.

Man kann den Schlafsack mit einer W√§rmflasche etwas vorw√§rmen. Einfach eine Trinkflasche mit hei√üem Wasser f√ľllen, unbedingt gut verschliessen und in den Schlafsack stecken. W√§rmepads helfen, um kalte F√ľsse oder H√§nde aufzuw√§rmen.

 

Was nehme ich mit in den Schlafsack?

Alles, was Ihr im Zelt habt, gefriert, wird kalt oder mit Reif √ľberzogen, der √ľber Nacht durch die Atemluft entsteht. Alle Dinge, die keine K√§lte vertragen, geh√∂ren in den Schlafsack, GPS, Handy, Akkus, Zahnpasta, Kontaktlinsenmittel etc.

Feuchte Shirts oder Socken trocknen √ľber Nacht auch im Schlafsack. Kleider, die man am n√§chsten Tag anziehen will, nimmt man mit hinein. Sie sind dann nicht so kalt, wenn Ihr sie am n√§chsten Tag anzieht.

Um vor dem Schlafengehen noch etwas W√§rme zu tanken, k√∂nnt Ihr noch etwas heisses trinken. F√ľr die Nacht eine Thermosflasche mit heissem Tee oder Wasser ist sehr n√ľtzlich, dann hat man auch am Morgen nach dem Aufstehen noch etwas Warmes zu trinken.

Eine gute Vorbereitung auf eine solche Tour ist das A&O. So k√∂nnt Ihr Eure Tour richtig geniessen. Bei klarem Himmel lohnt es sich sogar mal aus dem Zelt zu gucken, um den sch√∂nen, intensiven Sternenhimmel zu betrachten ‚Äď und wer weiss, vielleicht tanzen auch Nordlichter am Himmel.

√úber den Autor

Angela
Angela
Ist groß geworden an den steilen Hängen der Alpen und dort auch immer noch gern unterwegs. Mittlerweile ist sie aber mindestens genauso gern in Skandinaviens Gebirgen auf Tour. Sie kennt die Outdoor-Hotspots des Nordens. Klettern, Wintertouren, Trekking sind ihr Beruf und ihre Leidenschaft.

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