Mitternachtssonne in Schweden: Wann, wo und wie lange die Sonne nicht untergeht
arctic-mountain-team_Mitternachtssonne

Ursprünglich veröffentlicht am 18. Mai 2021 · Aktualisiert am 25. September 2026

Die Mitternachtssonne in Schweden scheint nördlich des Polarkreises etwa von Ende Mai bis Mitte Juli, in Abisko rund acht Wochen lang. Aber Achtung: Im Tal sieht man sie oft gar nicht, weil der nächste Berg im Weg steht. Wer sie wirklich erleben will, muss nach oben oder aufs offene Wasser.

Kurz & knapp

  • Zeitraum: ca. 25. Mai bis 18. Juli (Abisko), je weiter südlich, desto kürzer
  • Wo: Lappland nördlich des Polarkreises, z. B. Abisko, Kiruna, Sarek, Kvikkjokk
  • Bester Blick: von Anhöhen mit freier Sicht nach Norden oder von Seen, die nach Norden offen sind
  • Einpacken: Schlafmaske, Kopfnetz gegen Mücken, leichte Kleidung. Im Juli werden es auch mal 25–30 Grad.
Mitternachtssonne in Schweden: tief stehende Sonne kurz vor Mitternacht über einem See in Lappland
Kurz vor Mitternacht über einem See in Lappland

Was ist die Mitternachtssonne?

Mitternachtssonne heißt: Die Sonne bleibt auch um Mitternacht über dem Horizont. Sie zieht einen flachen Bogen über den Himmel, steht gegen Mitternacht tief im Norden und steigt dann wieder. Der Grund ist die geneigte Erdachse. Nördlich des Polarkreises (66°33′ N) reicht das im Sommer für 24 Stunden Tageslicht.

Das Licht um Mitternacht ist dabei nicht grell, sondern golden und schräg. Genau das macht die Stimmung aus. Das Gegenstück im Winter ist die Polarnacht.

Wann ist Mitternachtssonne in Schweden?

Je weiter nördlich, desto länger. Direkt am Polarkreis sind es nur einige Wochen rund um Mittsommer, in Abisko fast zwei Monate.

OrtMitternachtssonne (ungefähr)
Abisko25. Mai – 18. Juli
Kiruna28. Mai – 14. Juli
Gällivare2. Juni – 10. Juli
Kvikkjokkbis ca. 10. Juli
Jokkmokk (am Polarkreis)5. Juni – 7. Juli
Quelle: SMHI / Visit Sweden, Kvikkjokk: Näherungswert. Je nach Quelle weichen die Daten um 1–3 Tage ab. Von Anhöhen aus sieht man die Sonne oft ein paar Tage länger als im Tal.

Wo sieht man die Mitternachtssonne in Schweden am besten?

Auf einem Berg mit freiem Blick nach Norden oder auf einem See, der nach Norden offen ist. Das wissen viele nicht: Der Kalender sagt „Die Sonne geht nicht unter“, aber im Tal verschwindet sie trotzdem hinter dem nächsten Berg.

Einer der schönsten Plätze dafür ist der Skierfe im Sarek. Die Felswand ist knapp 1.180 Meter hoch und fällt rund 700 Meter senkrecht ins Rapadalen ab. Unten teilt sich der Fluss im Rapadelta in unzählige Arme. Um Mitternacht steht die Sonne tief im Norden über dem Sarek, und bei klarem Wetter glänzen die Wasserarme golden. Oben ist es oft etwas frischer und windiger als im Tal, und die Mücken bleiben meist unten.

Wer dort oben sitzt, verliert schnell jedes Zeitgefühl. Mit etwas Glück zieht unten eine Rentierherde durchs Delta.

Wanderin liegt auf einem Felsen hoch über dem Rapadalen mit dem verzweigten Flussdelta
Blick ins Rapadalen im Sarek

Weitere gute Orte:

  • Abisko: die längste Saison in Schweden, gut mit der Bahn erreichbar, Startpunkt des Kungsleden
  • Auf dem Wasser: Auf einem See, der nach Norden offen ist, steht die Sonne direkt über dem Wasser

Wird es in Schweden im Sommer dunkel?

Im Juni nirgends richtig. Selbst im Süden sinkt die Sonne nur kurz unter den Horizont, und die Nacht bleibt eine lange Dämmerung. Südlich des Polarkreises gibt es zwar keine echte Mitternachtssonne, aber taghelle Nächte bis in den Juli.

OrtSonnenauf- und -untergang am 21. JuniWie dunkel wird es?
Malmöca. 04:25 – 21:55nie ganz dunkel
Stockholmca. 03:30 – 22:08helle Dämmerung die ganze Nacht
Umeåca. 02:15 – 23:05kaum mehr als Abendrot
LuleåSonne ist nur wenige Minuten wegpraktisch hell
Jokkmokk, Kiruna, Abiskokein SonnenuntergangMitternachtssonne
Uhrzeiten gerundet, Sommerzeit (MESZ).

Ab Ende August kehrt sich das um: Die Nächte werden dunkel, und die ersten Nordlichter erscheinen.

Wie fühlt sich die Mitternachtssonne an?

Das Zeitgefühl verschwindet. Der Körper wartet abends auf die Dunkelheit, aber sie kommt nicht. Wer eigentlich um elf schlafen gehen wollte, sitzt um halb eins oft noch draußen.

Manche sind in den ersten Nächten richtig aufgekratzt, andere am nächsten Tag erst mal müde. Nach ein paar Tagen gewöhnen sich die meisten an den Rhythmus und genießen die langen hellen Abende.

Am intensivsten erlebt man die Mitternachtssonne in klaren, ruhigen Nächten, auf einer Anhöhe oder vom Kanu aus auf einem See. Auf mehrtägigen Touren lohnt es sich trotzdem, nicht jede Nacht durchzumachen: Am nächsten Morgen geht es weiter, und müde trägt sich der Rucksack schwerer.

Ehrlicherweise: Nicht jede Nacht ist klar. Oft liegt ein Wolkenband am Horizont, und man braucht etwas Glück.

Wie schläft man im Zelt, wenn es nie dunkel wird?

Mit ein paar Kniffen gut:

  • Schlafmaske: das wichtigste Teil, siehe auch unsere Trekking-Packliste. Ohrstöpsel helfen ebenfalls, denn die Vögel sind nachts auch wach.
  • Zelt richtig stellen: Eingang nicht nach Osten, wenn möglich im Schatten von Birken oder einem Hang.
  • Festen Rhythmus halten: gemeinsames Abendessen, danach irgendwann Ruhe. Wer sich jede Nacht treiben lässt, ist nach vier Tagen platt.
  • Abends wenig Kaffee. Klingt banal, merkt man aber.

Morgens wird es warm. Gegen fünf, sechs Uhr steht die Sonne schon wieder hoch, und das Zelt wird zur Sauna. Deshalb den Schlafsack nicht bis zum Hals schließen, die Lüftungen offen lassen und die Innenzelt-Tür halb öffnen, wenn das Moskitonetz zu ist. Wer früh wach ist, steht auf und macht Kaffee. Im Juli kann es in Lappland durchaus 25, manchmal 30 Grad warm werden. Das unterschätzen viele.

Kuppelzelt auf grünem Fjäll mit Bergen im Hintergrund an einem hellen Sommerabend
Zeltplatz im Fjäll an einem hellen Sommerabend

Und die Mücken?

Sie gehören zum Lappland-Sommer, aber man kann gut damit leben.

  • Wann: Die Stechmücken („mygg“) sind etwa von Ende Juni bis Ende Juli am schlimmsten. Danach kommen die Kriebelmücken („knott“). Die sind kleiner, kriechen überall rein und sind ehrlich gesagt die lästigeren. Ab Mitte August wird es deutlich besser, mit den ersten Frostnächten ist Schluss.
  • Wie schlimm: Das hängt stark vom Jahr ab. Nach einem warmen, feuchten Frühsommer ist es heftig, in einem trockenen Jahr halb so wild. Oben im Fjäll mit Wind ist es viel entspannter als im Wald oder am Moor.

Was wirklich hilft:

  • Ein Kopfnetz. Kostet fünf Euro und rettet einen Tag.
  • Ein Mittel mit hohem Wirkstoffanteil, z. B. Antibrumm Forte. Gibt es auch in schwedischen Supermärkten.
  • Lange, helle, nicht zu dünne Kleidung. Durch dünnes Merino stechen sie durch, und auf Schwarz fliegen sie.
  • Den Zeltplatz leicht erhöht, offen und windig wählen, nicht an stehendem Wasser.
  • Ein Lagerfeuer mit etwas feuchtem Holz. Der Rauch hilft wirklich.
  • Beim Zelt schnell rein, schnell zu. Wer das Innenzelt offen lässt, hat die ganze Nacht Besuch.

Und die gute Nachricht: Man gewöhnt sich schneller daran, als man am ersten Tag denkt.

Mitternachtssonne, Polarnacht und Nordlicht: Was ist wann?

PhänomenZeitraum in Lappland
MitternachtssonneEnde Mai – Mitte Juli
Helle NächteJuni – Anfang August
Nordlichterab Ende August bis etwa März
Polarnachtum die Wintersonnenwende, je nach Ort einige Tage bis knapp vier Wochen

Mitternachtssonne und Nordlicht zur selben Zeit gibt es nicht. Mehr dazu: Nordlichter in Schweden und die beste Reisezeit für Schweden.

Touren unter der Mitternachtssonne

Ganz ehrlich: Zwischen Ende Mai und Mitte Juni gibt es bei uns keine Touren. Im Fjäll liegt dann oft noch Schnee, alles ist matschig vom Tauwetter, und viele Hütten und Fähren sind noch zu. Unsere Sommersaison beginnt Ende Juni. Damit bleibt ein schmales, aber sehr schönes Fenster. Die Termine 2027 (Start jeweils sonntags):

  • Kombitour Trekking & Paddeln, ab 27.06.: unser frühester Termin, nah an der Sonnenwende
  • Kungsleden Abisko → Vakkotavare mit Hütten oder mit Zelt, 11 Tage, Starts 04.07. und 11.07.: die sicherste Wahl, denn in Abisko scheint die Mitternachtssonne bis etwa Mitte Juli (weitere Starts wöchentlich bis 22.08.)
  • Kungsleden Saltoluokta – Sitojaure – Skierfe mit Hütten oder mit Zelt, Start 04.07.: mit dem Skierfe über dem Rapadalen
  • Trekking Wildnis Lappland ab Kvikkjokk und Sarek, ab 04.07.: In Kvikkjokk endet die Mitternachtssonne um den 10. Juli, von den Höhen aus sieht man sie oft länger
  • Kanutour auf dem Ivalojoki in Finnisch-Lappland, 04.07. und 18.07.: weit im Norden, beide Termine passen
  • Skellefteälven, Piteälven und Åbyälven (Skellefteälven ab 27.06., Piteälven und Åbyälven ab 04.07.): südlich des Polarkreises, also keine echte Mitternachtssonne, aber taghelle Nächte bis in den Juli. Auf dem Wasser ist das genauso schön.

Wer lieber Nordlichter sehen möchte, ist ab Ende August richtig, zum Beispiel auf der Indian-Summer-Tour vom 22.08. bis 01.09.

Unterwegs auf dem Kungsleden im Sommer

Über den Autor: Michael „Michl“ Antkowiak ist Mitgründer des Arctic Mountain Teams, früherer Jurist und Bergführer. Seit Ende der 1990er-Jahre ist er mit Ski, Schneeschuhen, Kanu und zu Fuß im hohen Norden unterwegs und organisiert von Älvsbyn in Schwedisch-Lappland aus Trekking-, Kanu- und Wintertouren.

Quellen: SMHI / Visit Sweden (Daten zur Mitternachtssonne), Sonnenzeiten gerundet berechnet.

Über den Autor

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Michl
in den 80er und 90er Jahren war er auf den höchsten Bergen der Welt unterwegs. Seit 20 Jahren mit Ski, Schneeschuhen, Boot und zu Fuß auf Tour im Norden.

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