Reisebericht Paddeltour auf dem Kaitumälven

Der Kaitum ist ein wilder und unregulierter Fluß in Schwedisch-Lappland. Er entspringt im Skandinavischen Gebirge und ist ein typischer skandinavischer Fluß. Breitere, seenartige Abschnitte wechseln sich ab mit teils heftigen Stromschnellen unterschiedlicher Länge.

Wie wild und einsam der Fluß ist, wird schon bei der Anreise mit dem Hubschrauber klar. Für eine mehrtägige Paddel- und/oder Angeltour kommt nur der Flug in Frage. Man überfliegt die herrlichen, schneebedeckten Berge, kleine Flüsse und Seen. Die Region ist fast menschenleer, die Tundra des Nordens breitet sich aus. Kaum Bäume, allenfalls ein paar kleine Birken und Weidengestrüpp.

Wenn der Heli dann wieder weg ist, legt sich wieder diese unendliche Stille über die Landschaft. Wildns pur, keine Menschen weit und breit, keinerlei touristische Einrichtungen. Und genau das ist es, was Menschen hier suchen: den Alltag vergessen, Stille, aktive Erholung, einfach Freiheit. Sei es auch nur für zwei Wochen.

Für die Tour empfiehlt sich ein Schlauch-Canadier, der wildwassertauglich sein muß und auch auf den breiteren Abschnitten gut paddelbar sein sollte. Bei uns werden Boote von Gumotex genutzt, zum Beispiel das Baraka oder das Scout. Das Baraka benutzen wir hier zum ersten Mal. Die Tour wird also auch ein Test für das Boot und, um es vorwegzunehmen, das Boot wird den Test bestehen.

Das Wasser des Flusses ist glasklar. Man kann bis auf den steinigen Grund sehen. Ab und zu holt sich eine Forelle ein Insekt von der Wasseroberfläche und wir können ihr „Schmatzen“ hören. Da lacht das Herz des Fliegenfischers. Nach zwei seenartigen Abschnitten am Start, nimmt der Fluß dann Fahrt auf und es kommen die ersten Stromschnellen. Deren Paddelbarkeit ist je nach Wasserstand zu beurteilen, es sollte immer besichtigt werden. In dieser Abgeschiedenheit geht man keine Risiken ein. Zu Kentern, sich zu verletzen oder das Boot und Ausrüstung zu verlieren, kann hier schwerwiegende Folgen haben.

Wer Stromschnellen paddeln will, muß neben der Weste auch Helm und Wurfsack im Gepäck haben und Rettungstechniken sicher beherrschen.
Der Kaitum ist natürlich kein Fluß für Leute, die zum ersten Mal in einem Kanu sitzen. Aber mit etwas Outdoor- und Paddel-Erfahrung kann er sicher befahren werden. Wer keine Wildwasser-Erfahrung besitzt, kann jede Stromschnelle problemlos treideln. Im Gegensatz zu anderen Wildnisflüssen gibt auch nur zwei sehr kurze Portagen, die ohne Schwierigkeiten zu bewältigen sind.

 

Zu empfehlen ist auf jeden Fall die Mitnahme eines Spots oder Inreach, mit dem man im Notfall Hilfe rufen kann. Unterwegs gibt es ein kleines Anglercamp und ein Nottelefon, etwa in der Mitte der Tour. Sonst ist man völlig auf sich gestellt.

Unterwegs findet man sehr schön gelegene Rastplätze und hervorragende Angelspots. Sowohl Fliegenfischer als auch Spinnangler kommen voll auf ihre Kosten. Es gibt sehr schöne Forellen, kapitale Äschen und in den breiteren Abschnitten auch große Hechte und Barsche.

 

Lagerfeuer gehört immer dazu. Es wird direkt über dem Feuer gekocht oder der gefangene Fisch gegrillt. Dazu gibt es in der Glut gegarte Kartoffeln und Remoulade (aus der Tube). Besser geht’s nicht, Abenteuer und Freiheit pur.

Elche und Rentiere gibt es reichlich. Man kann sie mit etwas Glück vom Wasser aus beobachten oder abends und morgens in der Dämmerung.
Immer wieder tauchen Fisch- und Steinadler am Himmel auf, und im Sand am Ufer kann man hin und wieder auch Bärenspuren sehen. Leider bekommt man die Bären selbst fast nie zu Gesicht. Sie sind einfach zu scheu und gehen dem Menschen aus dem Weg.

Für die Tour sollte man inkl. An- und Abreise etwa 10-14 Tage einplanen.

 

Von der ganzen Tour könnt ihr euch den Kurzfilm anschauen:

 

 

Über den Autor

Michl
Michl
in den 80er und 90er Jahren war er auf den höchsten Bergen der Welt unterwegs. Seit 20 Jahren mit Ski, Schneeschuhen, Boot und zu Fuß auf Tour im Norden.

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