Dunkelheit im Norden

Wenn die Sonne Winterschlaf hält, beginnt die magische, dunkle „Polarnacht“

Ein Südschwede fragte mich einmal, ist es in Nordschweden, in Lappland, wirklich den ganzen Winter dunkel? Wie kann man hier freiwillig leben?

Da wurde mir klar, dass nicht einmal Einheimische eine Ahnung davon haben, wie toll und farbenfroh die Zeit der dunklen Nächte ist. Die Polarnacht ist in den Polargebieten ein Zeitraum um die Wintersonnenwende, in der die Sonne  nicht direkt zu sehen ist.

Es ist auch nicht, wie viele glauben, den ganzen Winter dunkel, sondern nur kurze Zeit. Ab Mitte Januar ist die Sonne zurück und ab Ende März sind die Tage sogar länger als in Mitteleuropa

Für mich ist der arktische Winter eine magische Zeit, in der man ab 15:00 Uhr schon die Kerzen anzünden kann und es sich gemütlich macht in seinem warmen schwedischen Häuschen. Dann werden auch unsere Huskies wieder aktiv und ich kann den Hundeschlitten aus dem Lager holen. Ab Ende Oktober wird es nach und nach immer länger dunkel. Man stellt dann seinen Tagesablauf darauf ein, die hellen Stunden des Tages intensiv zu nutzen. Meist fallen die ersten Schneeflocken und die Seen beginnen zu zufrieren. Nachts gibt es oft Nordlichter und die zufrierenden Seen geben gruselige Geräusche von sich, bei denen ich jedes Jahr wieder Gänsehaut bekomme und der Existenz von Geistern auf jeden Fall zustimmen würde.

Nordlichter treten das ganze Jahr bei uns auf, aber man kann sie natürlich nur sehen, wenn es dunkel und der Himmel klar ist.

Ende November schafft es die Sonnenscheibe kaum noch über den Horizont und es ist nur von ca. 9:00 Uhr bis 14:30 Uhr hell.

An klaren Tagen zeigt sich anderes ein Phänomen: wenn die Sonne „aufgeht“ erscheint ein faszinierendes, grell gelbes Leuchten am Horizont.

Bild oben: Vormittagsleuchten im November

Bild oben: das blaue Licht

Bild oben: Vollmondnacht

Natürlich gibt es auch bewölkte Tage, die von der Lichtintensität her an Regentage erinnern, dann wird die Welt blau. Früher dachte ich immer, mit meiner Kamera stimmt etwas nicht, weil die Fotos in dieser Zeit alle blaustichig waren.

Waren Sie schon einmal bei Mondschein Ski laufen?

Das ist das nächste Wunder des arktischen Winters, die hellen Vollmondnächte.

Der Mond erscheint riesig. Die Mondtäuschung ist eine optische Täuschung, die bei uns im Winter auftritt, durch die der Mond in Horizontnähe größer erscheint. Eine richtige Erklärung hat man dafür noch nicht gefunden. Es wird Nachts so hell, dass man für einen Mondscheinspaziergang die Stirnlampe getrost zu Hause lassen kann.

Ich habe aber noch nie erlebt, dass in diesen Nächten unsere Huskies den Mond anheulen, was ja gern mal in kitschigen Berichten behauptet wird.

Die Wintersonnenwende am 21.12. ist der kürzeste Tag. Dann haben wir nur noch 5 Stunden Helligkeit und es ist Weihnachtszeit.

Wenn die Sonne Mitte Januar aus ihrem „Schlaf“ erwacht, werden die Tage geschwind wieder länger und die Sonne hat spätestens im März ihre wärmende Kraft zurück, die alle Nordländer, mit ausgiebigem Sonnenbaden genießen.

Man hört ja immer wieder von der Winterdepression im Norden. Dagegen gibt es viele Rezepte. Man muss die wenigen hellen Stunden des Tages intensiv nutzen und sich draußen aufhalten. Wir sind auf Grund unserer Arbeit den ganzen Winter mit unseren Gästen in der phantastischen winterlichen Natur unterwegs.

Wichtig ist auch die richtige Ernährung. Natürlich fehlt uns Vitamin D, aber das lösen wir mit Pillen.

Im Winter steigt mein Bedürfnis auf deftiges Essen. Ich habe ständig Appetit auf ordentlich Fleisch, fette Soßen, fettreichen Käse und sogar Wurst, obwohl ich die sonst nicht mag.

Auf unseren Touren sind die Gäste meist erstaunt, dass abends immer deftig gekocht wird und es viel Fleisch, Gemüse, Wurst und Käse gibt. In der Kälte benötigt der Körper mehr Fett und Proteine, um seinen Wärmehaushalt zu regulieren.

So nun hoffe ich, dass ich Ihnen den Schrecken und die Bedenken vor der langen Winternacht im Dezember/Januar nehmen konnte und würde Ihnen gern meinen geliebten arktischen Winter einmal zeigen.

 

Autor: Anke Antkowiak

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